Norderland braucht verbindliches Versorgungskonzept bis zur Zentralklinik.
Bürgerfragen zeigen große Sorge um Notfallversorgung – Kandidaten setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Norden, 22. August 2026. Der Förderverein der UEK Norden fordert nach seiner Diskussion mit den Landratskandidaten ein verbindliches medizinisches Versorgungskonzept für Norden und das Norderland bis zur Inbetriebnahme der Zentralklinik. Die Auswertung der zahlreichen schriftlichen Publikumsfragen zeige vor allem große Unsicherheit über die Notfallversorgung, den Rettungsdienst, die Zukunft des Regionalen Gesundheitszentrums (RGZ) und die ambulante fachärztliche Versorgung.
„Die Bürgerinnen und Bürger erwarten keine Wunder. Sie erwarten aber, dass für die Jahre bis zur Zentralklinik klar gesagt wird, welche Versorgung in Norden gewährleistet wird, wer dafür verantwortlich ist und bis wann Verbesserungen umgesetzt werden“, erklärt Dr. Axel Schönian, Vorsitzender des Fördervereins der UEK Norden.
An der öffentlichen Diskussion vor rund 100 Teilnehmenden am 20. August im Forum der Kvhs Norden nahmen Dr. Edith Ulferts (CDU), Olaf Wiltfang (SPD) und Detlev Krüger (Freie Wähler) teil. FDP-Kandidat Helmut Emkes fehlte krankheitsbedingt. Die große Zahl schriftlicher Fragen konnte während der Veranstaltung nicht vollständig behandelt werden. Der Förderverein hat deshalb auch die nicht aufgerufenen Fragen ausgewertet.
Fünf konkrete Aufgaben
Aus der Diskussion und den Publikumsfragen leitet der Förderverein fünf vorrangige Aufgaben für das erste Jahr der kommenden Wahlperiode ab:
- ein verbindliches Versorgungskonzept für Norden und das Norderland bis zur Inbetriebnahme der Zentralklinik – einschließlich der Versorgung nachts und an Wochenenden;
- Transparenz über den Ausbau des Rettungsdienstes seit 2022 mit Angaben zu Rettungsmitteln, Standorten, Personal, Hilfsfristen und Ergebnissen externer Prüfungen;
- ein Zukunftskonzept für das Regionale Gesundheitszentrum Norden (RGZ) mit definiertem Leistungsangebot, bedarfsgerechten Öffnungszeiten und verbindlicher Verzahnung mit der Notfallsambulanz, dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), Palliativstation, Radiologie, Psychiatrie, Rettungsdienst, Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung Niedersachsen (KVN) und niedergelassenen Ärzten;
- eine funktionierende Patientensteuerung und Mobilitätslösung, insbesondere für Menschen ohne eigenes Fahrzeug und für nächtliche Entlassungen aus den Krankenhäusern in Aurich und Emden;
- eine pro-aktive Strategie für die ambulante ärztliche und fachärztliche Versorgung, die verlorene Kapazitäten ersetzt beziehungsweise zurückgewinnt und neue Gesundheitsberufe einbezieht.
Bürger fragen nach konkreten Lösungen
Die schriftlichen Fragen zeigen nach Auffassung des Fördervereins, dass die Menschen weniger abstrakte gesundheitspolitische Konzepte als Antworten auf sehr konkrete Probleme erwarten: Was geschieht bei einer schweren Erkrankung nachts? Kommt rechtzeitig ein Rettungswagen? Wohin wird ein Patient gebracht? Wie kommt er nach einer nächtlichen Entlassung aus Aurich oder Emden wieder nach Hause? Wie wird die zum Teil unzureichende fachärztliche Versorgung in Norden verbessert? Und welche Leistungen und Öffnungszeiten soll das RGZ künftig anbieten?
„Entscheidend ist nicht, wie viele einzelne Einrichtungen es gibt, sondern ob die Versorgungskette für die Menschen tatsächlich funktioniert“, so Schönian. Dazu gehörten die richtige Anlaufstelle, deren Erreichbarkeit, eine qualifizierte Behandlung, gegebenenfalls der Weitertransport und schließlich auch die ambulante Weiterbehandlung.
Kandidaten setzen unterschiedliche Schwerpunkte
Dr. Edith Ulferts setzte insbesondere auf eine Verbesserung der Abläufe und der Patientensteuerung. Sie will die Zusammenarbeit zwischen Leitstelle, Rettungsdienst und anderen Akteuren überprüfen, Telemedizin stärker nutzen und Möglichkeiten für bessere beziehungsweise veränderte Öffnungszeiten des RGZ suchen. Auch die Verlagerung chirurgisch-orthopädischer Kapazitäten von Norden nach Aurich will sie überprüfen.
Olaf Wiltfang verwies stärker auf die Grenzen durch den Ärztemangel. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten des RGZ wollte er deshalb nicht versprechen. Sein kurzfristiger Schwerpunkt liegt insbesondere auf dem Ausbau des Rettungsdienstes. Außerdem brachte er die Möglichkeit eines Gesundheitskiosks beziehungsweise entsprechender Fördermöglichkeiten ins Gespräch.
Detlev Krüger setzte vor allem auf neue Organisationsstrukturen. Er schlug unter anderem einen Gesundheitsrat und einen Gesundheitslotsen, eine stärkere Nutzung der Telemedizin sowie die Übertragung zusätzlicher Aufgaben auf entsprechend qualifizierte nichtärztliche Gesundheitsberufe vor.
Rettungsdienst: Zahlen müssen auf den Tisch
Besonders intensiv wurde darüber diskutiert, ob der Rettungsdienst nach der Schließung der stationären somatischen Versorgung in Norden ausreichend verstärkt worden ist. Auf dem Podium wurde von Olaf Wiltfang auf zusätzliche Rettungsmittel und Personal sowie auf Verzögerungen bei der Beschaffung von Fahrzeugen hingewiesen.
Für den Förderverein blieb jedoch offen, welche zusätzlichen Kapazitäten gegenüber der Situation vor der Krankenhausschließung tatsächlich zur Verfügung stehen und ob diese dem veränderten Bedarf entsprechen.
„Hier brauchen wir keine allgemeinen Aussagen, sondern nachvollziehbare Zahlen“, fordert Schönian. Der Landkreis solle transparent darstellen, wie sich seit 2022 Rettungsmittel, Standorte, Personal und Hilfsfristen entwickelt haben und zu welchen Ergebnissen externe Prüfungen beziehungsweise Audits gekommen sind.
Offene Fragen werden weiterverfolgt
Der Förderverein bewertet positiv, dass sich die Kandidaten der ausführlichen Diskussion gestellt und unterschiedliche Lösungsansätze vorgestellt haben. Ein geschlossenes Konzept für die medizinische Versorgung des Norderlandes bis zur Inbetriebnahme der Zentralklinik sei daraus jedoch noch nicht entstanden.
Die zahlreichen Publikumsfragen, die aus Zeitgründen nicht mehr alle behandelt werden konnten, sollen deshalb nicht in der Ablage verschwinden. Der Förderverein will sie als Arbeitsauftrag verstehen und die angesprochenen Themen auch nach der Landratswahl weiterverfolgen.
„Die Landratswahl darf für die medizinische Versorgung kein Schlusspunkt sein“, erklärt Schönian. „Wir werden die Aussagen der Kandidaten und die Fragen der Bürgerinnen und Bürger dokumentieren und mit der neuen Landrätin oder dem neuen Landrat zeitnah über die konkrete Umsetzung sprechen.“

