SPD Norden redet ihren Bürgern eine Regionalklinik schön

Den Vorschlägen der Zentralklinik-Trägergesellschaft für eine Schließung der stationären Standorte in Norden und Aurich zugunsten einer neuen „Regionalklinik“ in Georgsheil, die  (vorerst)  mit einem verkleinerten Klinikum in Emden zusammenarbeiten soll, will die Norder SPD folgen. Damit würde sich für das Norderland die bereits seit Jahren unter aktiver Beteiligung der hiesigen SPD umgesetzte Verschlechterung der  medizinischen Versorgung weiter zuspitzen.

Als wären sie nicht selbst aktiver Part bei dieser Entwicklung, treten die Norder Sozialdemokraten nun mit einem „Forderungskatalog“ an eine Regionalklinik auf, den man nur als Volksverdummung charakterisieren kann. Die gleichen Sozialdemokraten, die im echten Leben  seit Jahren das Herunterwirtschaften der UEK auf Kosten des Norder Hauses verantworten, tragen bei ihren Wunschvorstellungen an eine Regionalklinik umso   dicker auf –  sie versprechen „hochqualifiziertes“ Personal, „hochmoderne“ Technik , „optimale Stationsstrukturen“  mit Hotelkomfort… Nach den Plänen von Eppmann wird eine Regionalklinik die in Aurich, Norden und Emden angebotenen Leistungen der Grund- und Regelversorgung  bündeln.  Die SPD  dichtet  diese Pläne um in ein  „Krankenhaus der Schwerpunktversorgung“. Weder die drei derzeit bestehenden Häuser noch die abgewählte Zentralklinik  waren jedoch jemals Schwerpunktversorger. Und es ist auch nicht beabsichtigt, sie mit neuen Fachbereichen entsprechend hochzurüsten.

Hier wird gezielt mit Wunschvorstellungen  an eine stationäre  Gesundheitsversorgung für  eine  „Regionalklinik“   getrommelt, die jeder Realität entbehren.  Mit dem, was Eppmann umsetzen will oder könnte, sofern er  die politische Rückendeckung für seine „Regionalklinik“ bekäme, haben  solche Märchen nichts zu tun.  

Im Folgenden ein Blick auf die einzelnen „Forderungen“ der Norder Sozialdemokraten.

Weiterbildung in allen Bereichen

Es wird ein direkter ursächlicher  Zusammenhang zwischen Klinikgröße und Weiterbildungsberechtigung suggeriert – den gibt es aber nicht!  Wie auch schon bei der Zentralklinikwerbung, unterstellt man, daß Weiterbildung in kleinen Häusern generell  nicht möglich sei, was wiederum dazu führe, daß an den derzeitigen Klinikstandorten kein medizinischer Nachwuchs zu gewinnen sei. Weiterbildungsermächtigt werden aber nicht Kliniken, sondern einzelne Ärzte, dabei spielt die Größe der Einrichtung, in der sie tätig sind, keine direkte Rolle.

Kliniken dürfen nicht privatisiert werden und sollen nach Tarif zahlen

Was von den öffentlichen Trägern in der nächsten Zeit geplant ist, ist das Fitmachen der Häuser für einen wirtschaftlichen Betrieb, der auch für einen privaten Betreiber lohnend sein soll.  Niemand von den politisch Verantwortlichen kann oder will garantieren, daß Privatisierung  dabei dauerhaft ausgeschlossen bleibt. Die „öffentliche Trägerschaft“ eines Klinikrationalisierungsvorhabens ist keineswegs ein Schutz der Mitarbeiter – sie sichert weder Arbeitsplätze noch garantiert sie ein sicheres Einkommen. Private  Anbieter zahlen nicht automatisch weniger als Tarif – im Vergleich zahlen sie sogar teilweise besser als die öffentlichen oder kirchlichen Träger.

Qualität der Notfallversorgung soll hoch bleiben

Den Wegfall der ambulanten Notfallversorgung vor Ort, den Eppmann mit dem Schließen von Norden anstrebt, nehmen die Sozialdemokraten  gar nicht zur Kenntnis. Stattdessen stellen sie die absurde Forderung  auf, daß die Vorgaben des Rettungsdienstgesetzes NDS auch zukünftig einzuhalten seien. Was völlig am Thema vorbei geht,  dann diese (rechtlichen) Vorgaben  werden durch die Rettungsdienste ohnehin eingehalten, ganz unabhängig von der Frage zukünftiger KH-Standorte und der Organisation der Notfallversorgung durch die niedergelassenen Ärzte , die ohne Krankenhausleistungen  im Hintergrund eben nicht sicherzustellen ist. Das sollten Norder Kommunalpolitiker, die sich mit dem Thema befassen, eigentlich besser wissen. Oder wollen sie ihre Bürger täuschen?

MVZ soll bestehen bleiben, ambulantes Angebot in Norden soll erweitert werden

Auch hier wirft die SPD eine Nebelkerze: Das Medizinische Versorgungszentrum, in dem am Standort der UEK niedergelassene Ärzte Praxen betreiben,  muß nicht „gerettet“ werden, da es von niemandem zur Disposition gestellt wurde/wird.  Wenn es etwas gibt, das dem MVZ  die zukünftige Existenz erschweren würde, dann ist es allerdings der geplante Wegfall des Krankenhauses.

Zielgerichtete Verstärkung des ÖPNV  

Es gibt bis heute im LK Aurich kein ÖPNV-Konzept. Einen tatsächlichen ÖPNV gibt es im Prinzip nur in den drei Zentren. Für Menschen, die wirklich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, ist ein dezentraler Standort  wie Georgsheil keine ernsthafte Alternative – wer in Zukunft nicht per PKW mobil ist, hätte verloren.

Die Interessen der Arbeitnehmer sind durch vertragliche Regelungen sicherzustellen

Waren es bei den Zentralklinikplänen 500 von insgesamt 2500 Mitarbeitern, die man einsparen wollte, so soll auch für eine Regionalklinik  Personal abgebaut werden. Ein  „Letter of Intent“, wie er  seinerzeit auch von der SPD Norden als langfristige Arbeitsplatzgarantie gepriesen wurde, war jedoch nicht mehr als eine politische Absichtserklärung ohne direkt arbeitsvertragliche Wirksamkeit etwa bei einer Privatisierung.

Betrieb am Standort Norden muß bis zum Start der Regionalklinik aufrechterhalten werden

Als Forderung ist das mehr als merkwürdig. Oder hält die Norder SPD es nach Jahren  des Abwirtschaftens mit ihrer Billigung nicht einmal mehr für selbstverständlich, daß in Norden solange ein Krankenhaus verfügbar bliebe, bis ein Ersatz fertig wäre?

Es müssen Konzepte für eine 24*7 Notfallversorgung in der Stadt entwickelt werden

Es gibt – noch – eine 24*7 Notfallversorgung in Norden, mit einer Klinik, die dafür zwingend benötigt wird. Ersatzkonzepte ohne Klinik sind eine Mogelpackung – die für die Notfallversorgung rechtlich verantwortlichen Kassenärzte (KVN) können sie ohne die Infrastruktur des KH nicht bereitstellen. Wollte man sie ohne eine Klinik sicherstellen, so müsste man erneut die „Doppelstrukturen“ aufbauen, die man im Namen der Zentralisierung gerade für überflüssig erklärt hat: Röntgen, Chirurgie, Labor…

Es wird ein Nachnutzungskonzept gefordert  

Was nutzt dem Kranken eine Arbeitsagentur oder ein Jobcenter in der Osterstraße?

Heiko Schmelzle : Krankenhausgestützte Notfallversorgung ohne Krankenhaus?

In einer Pressemitteilung vom 12.05.2018 erinnert der Norder Bürgermeister Heiko Schmelzle nicht nur an die eminent wichtige Funktion, die eine stationäre Gesundheitversorgung am Standort Norden für die hiesige Bevölkerung und auch für den Tourismus in Norden und der umliegenden Küstenregion hat. Er kritisiert auch, daß die aktuell vorgestellten Pläne für eine Regionalklinik de facto eine krankenhausgestützte Notfallversorgung ohne ein Krankenhaus vorsehen – und damit absehbar zu erheblichen Versorgungsengpässen in der Notfallversorgung führen müßten. Der Förderverein veröffentlicht die Presseerklärung anbei :

16.5.2018 
“ Eine wohnortnahe Krankenhausversorgung – ist für Familien mit Kindern  – aber gerade auch für ältere Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste – von hoher Bedeutung. Norden-Norddeich ist gerade bei älteren Menschen als Wohnort und Feriendestination beliebt – dies zeigt sich auch an der Altersstruktur der Bevölkerung. Und mit zunehmendem Alter wird ein wohnortnahes Krankenhaus – insbesondere im akuten Notfall – immer wichtiger.  Darum setze ich mich als Bürgermeister und Bürger der Stadt Norden für den Erhalt des Krankenhauses vor Ort ein“, erklärt Schmelzle.

„Bei der Vorstellung des Zukunftskonzeptes für die Kliniken Aurich, Emden und Norden wurde das Szenario 3 (Erhalt des Klinikums Emden und Neubau einer Regionalklinik im Südbrookmerland anstelle der bisherigen beiden UEK-Klinikstandorte) unter den gegebenen Umständen als das wahrscheinlichste Szenario vorgestellt. In diesem Fall würden die bisherigen Klinikstandorte in Aurich und Norden geschlossen. Die Geschäftsführung der Trägergesellschaft spricht davon, dass es dann an den bisherigen UEK-Standorten auch weiterhin eine sektorübergreifende Notfallversorgung geben wird. Es stellt sich mir jedoch die Frage, wie eine krankenhausgestützte (ambulante) Notfallversorgung in Norden dargestellt werden kann, wenn das örtliche Krankenhaus nicht mehr existieren sollte. Wie soll es für den Krankenhausträger bei den aktuell geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen möglich sein, ohne ein bestehendes Krankenhaus am Standort Norden die versprochene Notfallversorgung zu gewährleisten?   Hierfür muss es eine Lösung geben. Sonst verblieben für die ambulante Notfallversorgung lediglich die ambulant tätigen niedergelassenen Ärzte. Und es ist ja allgemein bekannt, dass diese in Norden bereits jetzt über die Belastungsgrenze hinaus ausgelastet sind. Dies zeigt sich durch einen Aufnahmestopp für neue Patienten bei vielen Hausärzten und durch Wartezeiten bei routinemäßigen Facharztterminen.

Dies muss allen Betroffenen – aber auch den politischen Entscheidungsträgern – bewusst sein.

Nach Paragraph 4 Abs. 2 Satz 2 des nds. Krankenhausgesetzes (NKHG) muss der Krankenhausplan des Landes Niedersachsen die Ziele der Raumordnung beachten, die Grundsätze und sonstigen Erfordernisse der Raumordnung berücksichtigen und eine ortsnahe Notfallversorgung gewährleisten.Die Schließung von Krankenhäusern in zwei Mittelzentren (Aurich &  Norden) sowie der Neubau einer Regionalklinik an einem Ort ohne den Status eines Mittelzentrums und ohne entsprechende Infrastruktur steht ohnehin im Widerspruch zu den verbindlichen Aussagen des Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen (LROP**).

Das Krankenhaus ist für Norden als Mittelzentrum von großer Bedeutung:

als größter Arbeitgeber und als wichtiger Standortfaktor unter anderem im Wettbewerb bei der Gewinnung von Fachkräften. Nach dem LROP sind derartige zentralörtliche Einrichtungen und Angebote des gehobenen Bedarfs im Rahmen der Stärkung des „Zentrale-Orte-Systems“ zu sichern und zu entwickeln.“

** Auszug aus Wikipedia zur Bedeutung des LROP lediglich zur Kenntnis: „Mit verbindlichen Aussagen zu raumbedeutsamen Nutzungen und deren Entwicklungen dient das Landes-Raumordnungsprogramm dazu, die oftmals widerstreitenden wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Interessen an den Raum festzulegen.“

Fragen an Landrat Weber – offener Brief des Födervereins

Im Zuge der Norder Ratssitzung am 25.04. haben Landrat Weber, Klinikgeschäftsführer Eppmann und der ärztliche Direktor der UEK , Dr. Held , für die Fortsetzung der Zentralisierungspläne für die stationäre Versorgung in der Region geworben und  dazu die  Idee einer „Regionalklinik“ vorgestellt, die anstelle der geschlossenen UEK-Häuser in Norden und Aurich treten würde. Für die anwesenden Bürger, darunter auch etliche Mitglieder und Freunde des Fördervereins, war es leider nicht ohne Weiteres möglich, dem Landrat als dem politisch Verantwortlichem  für die Gesundheitspolitik im Landkreis Aurich im Rahmen der Einwohnerfragestunde ihre Fragen direkt zu stellen. Um sie dennoch beantwortet zu bekommen, hat der Förderverein sie Herrn Weber nun in Form eines offenen Briefes gestellt. Dieser ist im Folgenden dokumentiert.

Offener Brief

Herrn Landrat Harm-Uwe Weber

Landkreis Aurich

Fischteichweg 7-13 26603 Aurich

14.05.2018

Sehr geehrter Herr Landrat,

da wir bei den zuletzt stattgefundenen Veranstaltungen unsere Fragen an Sie leider nicht alle stellen durften, wählen wir nun diesen schriftlichen Weg, um eine zeitnahe Antwort von Ihnen zu erhalten.

 

Frage 1

Herr Landrat, falls eine Zentralklinik kommen sollte, ist die Notfallversorgung in den Städten Aurich, Emden, Norden nicht gesichert. Das Land Niedersachsen fordert eine gesicherte ambulante Versorgung in den Städten als Bedingung für eine Zentralklinik. Bisher mag niemand die entstehenden Lücken schließen; auch die Kassenärztliche Vereinigung hat keine Lösung für das Problem parat.

 

Können Sie uns konkret sagen, wie Ihrer Meinung nach die Notfallversorgung aussehen wird, falls das Krankenhaus in Norden geschlossen werden sollte?

 

Frage 2

Herr Landrat, nach dem Aus für die ZK in Georgsheil im Juni 2017 wurde ein gedanklicher Neuanfang mit Bürgerbeteiligung versprochen. Ein Konzept zur Sanierung der drei bestehenden Krankenhäuser ist offenbar auch nach elf Monaten noch nicht erstellt worden, auch ist keine Beteiligung der Bürger erkennbar.

Warum weigern Sie sich, sich mit dem Erhalt der drei Krankenhausstandorte zu beschäftigen?

 

Frage 3

Herr Landrat, die drei Klinikstandorte sichern momentan die stationäre Grundversorgung für 99% der Einwohner im Kreisgebiet binnen 30 Minuten.

Welches Recht nehmen Sie sich, diese Menschen in der heutigen Versorgung zu beschneiden?

 

Frage 4

Herr Landrat, die Spatzen pfeifen es von den Dächern, wie groß die Unruhe unter den Beschäftigten der Norder Klinik ist und dass die Abwanderung läuft.

 

Wie können sie diesem Geschehen tatenlos zusehen?

 

 

Frage 5

Herr Landrat, Ihnen ist die wirtschaftliche Bedeutung der Norder Klinik bekannt.  

Können Sie als Landrat mit gutem Gewissen den Wegfall von rund 500 Arbeitsplätzen verantworten?

 

Frage 6

Herr Landrat, die UEK benötigt weiterhin jedes Jahr Zuschüsse in Millionenhöhe, die von den Kommunen, den Bürgern, zu tragen sind.

Warum weigern Sie sich, den Wirtschaftsbericht nach Standorten getrennt mit Fallzahlen und Bilanzen zu veröffentlichen?

 

Frage 7

Herr Landrat, in der Betriebsstätte Aurich der UEK sind kürzlich aufgrund technischer Defekte Operationssäle ausgefallen. Das Management der UEK beantragt seit Jahren keine Fördermittel vom Land Niedersachsen zur Sicherung des laufenden Betriebes. Stattdessen fließt viel Geld in die Werbung für eine Zentralklinik. 

Warum kümmern Sie sich nicht um den Erhalt des laufenden Betriebes der Krankenhäuser?

 

Frage 8

Herr Landrat, mit Schreiben vom 16.03.2018 an Oberbürgermeister Bornemann hat der Staatssekretär des Ministeriums für Gesundheit und Soziales empfohlen, die drei Kliniken an ihren Standorten im Verbund zu erhalten.

Warum stellen Sie sich nicht dieser Empfehlung?

 

Frage 9

Herrn Landrat, Sie sind politisch verantwortlich für das Gesundheitswesen im Landkreis Aurich. Herr Eppmann ist lediglich angestellt, um die politischen Vorgaben umzusetzen.

Warum antwortet mehrheitlich Herr Eppmann auf Fragen, die an Sie gerichtet sind?

 

Mit freundlichen Grüßen

Förderverein der UEK am Standort Norden e.V.

i.A.

Zentralisierung ? Lehren aus Schaumburg ..

Personalnot am Klinikum Schaumburg?

Ein lesenswerter Zeitungsbericht aus den „Schaumburger Nachrichten“ zur aktuellen Personalsituation (Stand Februar 2018) in der dort  frisch in Betrieb genommenen Zentralklinik in Obernkirchen. Dieses Haus mit 437 Betten  – zuständig für die medizinische Grundversorgung im Landkreis Schaumburg –  wird bekanntlich vom privaten Betreiber Agaplesion geführt, einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft, deren Gesellschafter verschiedene Unternehmen vorwiegend aus der Diakonie sind und die sich als  „Einrichtung der evangelischen Kirche“  versteht. Sie betreibt in ganz Deutschland Krankenhäuser und Einrichtungen der Altenpflege.

Bekanntlich hatte Claus Eppmann, Geschäftsführer der Trägergesellschaft Zentralklinikum Aurich-Emden-Norden mbH und seit 2016 bzw 2017 auch Geschäftsführer der UEK und des Emder Krankenhauses,  für Agaplesion in verschiedenen Unternehmen und Häusern  bis 2015 Geschäftsführungsverantwortung. An der Vorbereitung der Zentralklinik in Schaumburg und der damit einhergehenden Schließung der drei Krankenhäuser in Rinteln, Stadthagen und Bückeburg  hatte er  erheblichen Anteil, dem expandierenden Gesundheitskonzern ist er bis heute eng verbunden.

Was kann man für unsere Situation hier aus den geschilderten Fakten lernen ?

  1. Der Bau von Zentral- oder auch „Regionalkliniken“ ist – entgegen hanebüchener, aber immer wieder aufgewärmter Propaganda unserer Zentralisierungs“experten“ – ganz bestimmt  kein Mittel, um Personalengpässe abzumildern oder gar zu lösen! Weil es erstens um  ganz andere – nämlich wirtschaftliche – Ziele geht , was – nüchtern betrachtet – auch jeder weiß. Und weil zweitens schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung und beständige Überlastung ebensowenig  durch Abbruch und Neubau überwunden werden können wie der Umstand, daß sowohl in der Pflege als auch bei medizinischen Personal viel zu wenig  Nachwuchs ausgebildet wird.
  2. „Planstellen bilden definitiv nicht die Stellenzahl ab, die für eine gute medizinische Versorgung geboten ist, sondern genau die Zahl, die für das Erreichen des vom Konzern vorgegeben wirtschaftlichen Ziels errechnet wurde“ !  Danke an Marburger Bund und Verdi für diese Erinnerung an eigentlich Selbstverständliches. Oder etwa nicht?    Waren es für die Zentralklinik ursprünglich rund 500 Mitarbeiter, die man in den kommenden Jahren einsparen wollte,  so hat Eppmann es für sein neues Kind „Regionalklinik“ bislang vorgezogen, in seinem diffusen „Konzept“ keine Zahlen bekanntzugeben, sondern lediglich von „ erheblichen strukturellen und arbeitsorganisatorischen Bedingungen“ zu schwafeln, die bei Schließungen in Norden und Aurich und bei Reduktionen in Emden auf die Mitarbeiter zukommen würden. Wieso soll ausgerechnet in Ostfriesland das Wunder wahr werden, daß bei einer Stellenreduktion in diesem Umfang am Ende „eine gute medizinische Grundversorgung“ herauskommt ?  Bei  den zur Zentralklinik gehandelten Schlüsseln (1,5 Personen für die Pflege auf 48 Patienten im Nachtdienst) wären eher Schaumburger Zustände zu erwarten – nicht nur in der Pflege.

 

  1. Wird angesichts offenkundiger Mängel bei der Personalausstattung öffentlich nach belastbaren Zahlen gefragt, verweist die Pressestelle auf Betriebsinterna. Hier im Landkreis Aurich sind wir derzeit noch in der Situation, daß Eppmann für das Weitermachen in Richtung Zentralisierung keine politische Rückendeckung bekommen hat. Auch hier wird unter Hinweis auf streng vertrauliche Interna gegenüber den politischen Entscheidungsgremien gemauert , selbst dem Aufsichtsrat werden nichtssagende Werbefolien zur Information vorgelegt, sodaß er seine Aufsicht gar nicht wahrnehmen kann.  Noch besteht allerdings die Möglichkeit, durch das Einfordern transparenter Wirtschafts- und Personalplanung sowie durch das Einfordern klarer strategischer Zielsetzungen, die sich am tatsächlichen Bedarf nach einer gesicherten Grund- und Regelversorgung in einer Randregion orientieren und nicht primär an Businessplänen und Sparzielen, Sorge zu tragen, daß uns Schaumburger Verhältnisse erspart bleiben..

„Regionalklinik“ – Was soll das ?

eine Stellungnahme von Mitgliedern des Fördervereins zu den vorgestellten Plänen für eine Regionalklinik

Seit dem Bürgerentscheid im Juni 2017 sollte der Plan zum Neubau einer Zentralklinik in Georgsheil eigentlich vom Tisch sein. Von der Geschäftsführung wurde ein Konzept im Sinne einer Verbundlösung für alle drei ostfriesischen Kliniken, Emden Aurich Norden, erwartet.

Nach zehn monatiger Planung verkündet die hoch bezahlte Geschäftsführung das überraschende  Ergebnis ihrer intensiven Arbeit: im Wesentlichen bleibt alles beim Alten, die UEK in Aurich und Norden wird dicht gemacht, das Krankenhaus Emden soll verkleinert werden.

Die Neuerung : der Name, nun nicht mehr Zentralklinik Georgsheil ,sondern Regionalklinik. Toll!

Von einer konkreten Planung im Sinne einer Verbundlösung keine Spur ! Auch jetzt, wie schon bei der Vorstellung in Emden : keine belastbaren Zahlen,  keine Statistiken, keine konkreten und belegbaren Vorschläge zur Kostenminderung – völlige Fehlanzeige!

Und das gilt sowohl für die als „nicht umsetzbar“ verworfenen  Alternativen als auch für die empfohlene „Regionalklinik“ ! Nicht ansatzweise wurde etwas vorgelegt, das über die Qualität von suggestiven Werbefolien hinausginge –  mit grob vereinfachenden,  teilweise sogar  verfälschenden  Darstellungen.  Als „Konzept“  eines Geschäftsführers  dürfte sich niemand so etwas  bieten lassen,  der für die Zukunft der Gesundheitspolitik und für die Aufsicht über das Management unserer Krankenhäuser Verantwortung trägt.

Man fragt sich, war diese Verzögerung beabsichtigt, um durch die Hintertür dann doch noch eine Zentralklinik „light“ zu errichten?  Sowohl Eppmann als auch seine Auftraggeber Weber und Bornemann  – haben stets, auch schon vor dem Bürgerentscheid,  öffentlich angekündigt, daß sie sich durch  einen Bürgerentscheid auf keinen Fall von dem eingeschlagenen Weg – hin zu einer Zentralklinik – abhalten lassen würden.Sie haben ihn als reine Störung  auf dem  „alternativlosen“ Weg behandelt  und von Beginn an ankündigt, notfalls die zwei Jahre Bindefrist auszusitzen,  um dann eben doch eine Lösung umzusetzen, an deren Ende die Zentralisierung steht.

Der schon jetzt spürbare Abbau im Alltag des Klinikbetriebs wird sich bis dahin forciert fortsetzen.Überall  Überlastung, bei Schwestern, Pflegern und Ärzten. Inzwischen ist auch das gesamte Betriebsklima negativ beeinflusst. Viele Mitarbeiter haben das Gefühl, einen Maulkorb verpasst bekommen zu haben. Die Zukunftsperspektiven sind unsicher. Und dazu hat sich bei vielen Klinikmitarbeitern eine zunehmende Demotivation und Frustration eingestellt. Wen wundert`s? Wer will unter diesen Arbeitsumfeld dort neu anfangen? Ein zukünftiger Mangel an qualifiziertem Personal ist somit schon vorgegeben.  Eine gut funktionierende Gesundheitsversorgung im Krankenhaus basiert bekanntlich auf dem  Zusammenspiel verschiedener Berufsgruppen (Ärzte, Schwestern, Pfleger, MTA, Reinigung,Küche, Werkstatt u.a.). Ein Patient befindet sich ja meist in einer besonders hilfsbedürftigen Situation. Er erwartet nicht nur medizinische und pflegerisch Hochleitung, sondern auch, ganz wichtig, menschliche Zuwendung und Betreuung. Das Klinikmanagement kann diesbezüglich hilfreich sein oder auch nicht. „Sparen um jeden Preis “ist kurzsichtig. Dagegen ist die Sorge um die Berufszufriedenheit der in einer Klinik Beschäftigten von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit und ist berechtigterweise auch vom Management  einzufordern.Durch überfüllte Stationen und Aufnahmeeinrichtungen kommt es zu Überforderungen.Wenn psychisch kranke Patienten mit akuten Symptomen, wie kürzlich in der UEK Norden eingerichtet, vor einer stationären Aufnahme erst vorstellig in der neuen Patientenaufnahmestation sein  müssen, kann das durchaus zu einer unerwünschten zusätzlichen Belastung für alle führen.

Was ist los mit der Geschäftsführung in unseren ostfriesischen Krankenhäusern?

Wenn Herr C.Eppmann nur Zentral- oder Regionalklinik will und kann, dann ist das zu wenig. Was soll das?  Dann verdient er nicht das Vertrauen für  diese Aufgabe,ebenso wenig wie sein Aufsichtsrat und seine Gesellschafter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ärzteverein Norder Land zur Zukunft der stationären Versorgung – Brief an Weber

Den nachfolgend dokumentierten offenen Brief hat der Ärzteverein Norder Land  in der vergangenen Woche an Landrat Harm-Uwe Weber  gerichtet. Der Förderverein dankt dem Ärzteverein Norder Land für diese sehr klare und deutliche Darstellung der Abhängigkeiten und Voraussetzungen einer funktionierenden stationären Grundversorgung in unserer Region und schließt sich den Forderungen an den Landrat an.

 

Sehr geehrter Herr Landrat,

 

in den nächsten Tagen und Wochen wird über die weitere stationärmedizinische Grundversorgung der Bürger des Altkreis Norden entschieden. Als Haus- und Fachärzte der ambulanten medizinischen Versorgung ist es uns wichtig, dass Entscheidungen auf der Basis von verlässlichen Informationen und den tatsächlichen Gegebenheiten getroffen werden. Dies umso mehr, als dass die medizinische Versorgung der hiesigen Menschen keine Experimentierphasen dulden kann.

 

Ohne das Norder Krankenhaus sehen wir bei den jetzigen vorhandenen Strukturen keine wirklich effiziente Alternative:

 

  • Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Chirurgie, Innere und Kardiologie in Norden leistet einen hervorragenden Beitrag zur ambulanten Versorgung der Patienten. In seiner Struktur ist das MVZ aber faktisch eine Praxis der ambulanten Versorgung. Wir sehen hier weder fachliche noch personelle Reserven, die eine 24/7-Bereitschaft für die ambulante chirurgische oder internistische Versorgung  gewährleisten könnten; ganz zu schweigen von der Übernahme einer  stationären Versorgung.
  • Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte sind vollauf mit der ambulanten Versorgung beschäftigt; wir wägen jeden Tag mehrfach ab, ob ein Patient ambulant zu führen ist oder ob eine stationäre Aufnahme indiziert ist. Darüber hinaus organisieren und halten wir über die KV-Bereitschaftspraxis die hausärztliche ambulante Versorgung auch außerhalb der Praxiszeiten aufrecht – auch an Wochenenden und an Feiertagen.
  • Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und eine Organisation der ambulanten niedergelassenen Ärzte. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, die ambulante Versorgung sicher zu stellen. Es ist definitiv nicht Aufgabe der KV und ihrer Mitglieder die stationäre Versorgung der Patienten sicher zu stellen oder zu organisieren.
  • Besondere Beachtung sollte auch den hohen Zahlen von Gästen und Touristen des Altkreises Norden sowie den vorgelagerten Inseln gewidmet werden. Auch vor dem Hintergrund des saisonal erhöhten Aufkommens von Patienten ist eine standortnahe medizinische Grundversorgung – ambulant wie stationär – zwingend notwendig.
  • Das UEK Aurich trägt einen wesentlichen Teil zur stationären Versorgung des Landkreises bei; aber wir haben gerade in den zurückliegenden Monaten immer wieder erlebt, dass Patienten abgewiesen und nach Norden zurück geschickt wurden.

Wir sehen die zunehmende Spezialisierung als Gewinn – diese leistet aber keinen Beitrag zu notwendigen Grundversorgung, wo allgemeine medizinische Qualitäten verlangt werden! Aus unserer Sicht ist das UEK Aurich mit seiner Substanz und Struktur schon jetzt mehr als voll ausgelastet!

  • Aufgrund der Altersstruktur der hiesigen Bevölkerung ist im Laufe der nächsten Jahre mit einem vermehrten Aufkommen von Patienten zu rechnen, was zwangsläufig dazu führen wird, dass auch die stationären Kapazitäten vermehrt in Anspruch genommen werden.

 

 

Es muss in den nächsten Tagen und Wochen klar sein, dass wir von einer medizinischen Grundversorgung sprechen, die der Landkreis aufgrund gesetzlichen Auftrages sicherzustellen hat. Hier darf nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern hier muss die Versorgungssicherheit und – qualität im Vordergrund stehen.

 

Es ist Aufgabe des Landkreises diese medizinische Grundversorgung zu organisieren und belastbare und kurzfristig erreichbare Strukturen aufzubauen bzw. zu erhalten!  Dabei darf es nicht sein, dass Bürger benachteiligt werden, weil sie nicht in der Kreisstadt wohnen!

 

Wir bitten Sie, unsere Überlegungen und Argumente bei Ihrer Entscheidung als Landrat für die Bevölkerung des gesamten Landkreis Aurich einzubeziehen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Peter Figur

(Ärzteverein Norder Land)

Wohin im Notfall in Norden ?

Protest gegen die nichtöffentliche Informationsveranstaltung zur Zukunft der Kliniken

Zu einer spontan anberaumten Protestkundgebung  trafen sich am Freitag  rund 60 Bürger – vorwiegend aus dem Norder Bereich – an der KVHS in Aurich. Dort sollte – in nichtöffentlicher Sitzung – dem Kreistag des Landkreises Aurich und dem Emder Rat das „Zukunftskonzept“ der Trägergesellschaft für die drei Kliniken in Aurich, Norden und Emden vorgestellt werden. Mitglieder des Fördervereins  hatten den Protest  vorbereitet, vor Ort wurde die Aktion vom Aktionsbündnis zum Erhalt der wohnortnahen Krankenhäuser unterstützt.

„Nichtöffentliche Vorstellung der Krankenhauspläne? So geht es nicht!“

– unter diesem Motto richtete sich der Protest gegen die Schließungspläne für das Norder Krankenhaus („Norden nicht ohne mein Krankenhaus“ – „Zukunft in Norden : 7×24 in die Röhre gucken?“)  und gegen  die immer unverhohlener propagierte  Fortsetzung der Zentralisierungspläne. Mit der Parole  „Spiel auf Zeit – wir sind es leid“  wurde das Vorgehen von Politik und Trägergesellschaft  seit dem Bürgerentscheid  vor fast einem Jahr angegriffen, die statt der Schaffung einer  wirklichen  Verbundlösung in Aurich, Norden und Emden hinter den Kulissen unbeirrt  weiter auf Zentralklinikkurs fahren.

Das, was vom Geschäftsführer der Trägergesellschaft in der nicht-öffentlichen Runde anschließend  als „Zukunftslösung“ vorgestellt  wurde , bestätigte die Parole der Demonstranten „Wer im Geheimen Fakten schafft, hat nichts Gutes zu bieten“ :

Ein Wiederaufleben der Pläne für eine –  vorerst  – verkleinerte  Zentralklinik in Georgsheil (mit rund 570 Betten) mit Schließung der beiden UEK-Standorte in Norden und Aurich , zusätzlich eine – vorerst – parallel dazu betriebene, deutlich schrumpfende  Klinik in Emden am alten  Standort.

Die Demonstranten forderten die Mitglieder des Kreistages auf, ihre gesundheits-politische Verantwortung wahrzunehmen und  von der Trägergesellschaft endlich  belastbare Zahlen, Daten und Fakten einzufordern, bevor sie über ihre bis zum 31.03.2018 befristete Zustimmung zur Verlängerung des Konsortialvertrages  (und damit der Zusammenarbeit zwischen UEK und Emder Krankenhaus in der derzeitigen Form )  erneut entscheiden.

Der  Förderverein erneuert sein Angebot  an alle Vertreter im Kreistag , über die Vorschläge und die ihnen zugrundeliegenden Zahlen zu sprechen!

An die Bürger appellieren wir, sich hörbar und sichtbar in die bevorstehenden Entscheidungen einzumischen !

Eine ausführliche inhaltliche Stellungnahme zum „Zukunftskonzept“  folgt . Die Informationen, die den politischen Gremien am Freitag als Entscheidungsgrundlage vorgetragen  wurden, wurden bisher nur in stark vergröberten Auszügen veröffentlicht. Ob dies  etwas mit der oben zitierten Parole „Wer im Geheimen Fakten schafft..“ zu tun hat, mag jeder für sich bewerten !

Nichtöffentliche Vorstellung der Krankenhauspläne ? So geht es nicht !

Am Freitag, den 13. April sollen der Auricher Kreistag und der Emder Rat in nicht-öffentlicher Sitzung über die Pläne der Trägergesellschaft zur Zukunft der drei Krankenhäuser in Aurich, Norden und Emden informiert werden.Diese Veranstaltung stellt einen unglaublichen Affront  gegen die Bürger und gegen ihre  gewählten Vertreter dar: 

  • Den für die Gesundheitspolitik in der Region zuständigen Gremien soll ganze 10 Monate nach dem Aus für die Zentralklinik erstmals ein  Konzept für die zukünftige Ausrichtung der  Kliniken vorgestellt werden – im Rahmen einer Informationsveranstaltung!

 

  • Eine öffentliche Beratung der Vorschläge ist nicht vorgesehen. Somit ist nicht nur jede Bürgerbeteiligung ausgeschlossen, sondern auch öffentliche Bewertungen  und die Entscheidung über die  von der Trägergesellschaft gelieferten Ergebnisse durch die Gremien.

 

  • Bei der Vorstellung des sogenannten „Eckpunktepapiers“ in Emden im Januar wurde bereits deutlich, wie wenig die Richtung der „Zukunftslösung“  tatsächlich vom Vorliegen eines qualifizierten wirtschaftlichen und strategischen Konzepts geleitet ist – umso mehr von längst feststehenden politischen Absichten! Daher appellieren wir an unsere gesundheitspolitischen Verantwortungsträger: Lassen Sie sich nicht erneut  EIN-NORDEN ! Fordern Sie von ihrem Dienstleister, aber auch von den Aufsichtsgremien endlich  transparente und handfeste Zahlen, Daten, Fakten ein!

 

  • Die Pläne werden – seit dem Bürgerentscheid – stets als „Verbundlösung“ vorgestellt. Das erweckt den irreführenden Eindruck, es ginge tatsächlich um Lösungen für die drei Klinikstandorte. Die Trägergesellschaft will jedoch ihren Weg der Zentralisierung der stationären Leistungen unbeirrt fortsetzen. Sie will dafür die stationären Grund- und Regelversorgung in Norden ganz aufgeben, von der über 50.000 Menschen abhängen.

 

  • Die Verzögerungstaktik, die Eppmann mit Rückendeckung von Gesellschaftern und Aufsichtsrat seit dem Bürgerentscheid an den Tag legt, muß jetzt umgehend beendet werden! Seit Juni 2017 wartet das Sozialministerium vergebens auf ein neues Konzept! Somit gehen auch weiterhin alle Fördergelder an unseren Krankenhäusern vorbei. Für Werbefolien, die im stillen Kämmerlein ohne Basis in der Bevölkerung ausgearbeitet wurden, wird es mit Sicherheit keine Mittel vom Land geben!

 

  • Das schleichende Ausbluten des Norder Krankenhauses muß endlich gestoppt werden! Wie sollen Ärzte und Pflegekräfte, die völlig überlastet und ohne Perspektive für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze sind, Menschen in Notsituationen betreuen? Was will man ihnen noch zumuten? Wer will unter den gegebenen Bedingungen dort neu anfangen? Es muß Schluss damit sein, daß ein ganzes Krankenhaus, das von der Bevölkerung wertgeschätzt und dringend gebraucht wird, und das keineswegs als Kostentreiber innerhalb der UEK gewirkt hat, zum Abbruch freigegeben wird!

Norder FDP : mit Falschmeldungen gegen das Norder Krankenhaus ?

Förderverein der UEK Norden weist sachlich falsche Kritik der FDP zurück

Die FDP Norden hat den Förderverein der UEK am Standort Norden im Ostfriesischen Kurier vom 14.03.2018 „scharf kritisiert“ und ihm „Stimmungsmache“ vorgeworfen.

Ein Hauptargument der FDP ist dabei, dass im Krankenhaus Norden zu wenig Knieoperationen durchgeführt würden. Der GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss) fordere eine Mindestzahl von 50 Knie-Operationen, tatsächlich seien in Norden lediglich 17 Operationen durchgeführt worden.

Diese Argumentation ist noch nicht einmal die halbe Wahrheit – letztlich handelt es sich durch Vereinfachung und Verfälschung um eine Falschmeldung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat für 8 hochspezialisierte Krankenhausleistungen jährliche Mindestmengen festgelegt, unter anderem Nierentransplantation und Lebertransplantation. Die relevanteste dieser Leistungen für Ostfriesland ist die Mindestmenge für Gelenkprothesen am Knie mit 50 Stk./Jahr in dem betreffenden Krankenhaus (s. Mindestmengenregelung des G-BA ).  Außer Knieprothesen gibt es jedoch viele weitere Knie-Operationen, die an jedem Krankenhaus und auch in Praxen ohne Mindestmengen-Vorgaben durchgeführt werden können, z.B. Gelenkspiegelungen, Eingriffe am Meniskus, Kreuzbandersatz oder Operation einer Kniescheibenfraktur. Diese Operationen sind also selbstverständlich auch in Norden möglich.

Falls es auf Dauer einen Klinikverbund der Krankenhäuser Norden, Emden und Aurich gibt, sollten sicher nur an einem dieser Standorte Kniegelenkprothesen implantiert werden. Das Bredehorst-Gutachten, in dem es 2013 um die Krankenhäuser Norden und Aurich ging, hatte übrigens empfohlen, die Endoprothetik – also auch die Kniegelenk-Prothesen-Implantation – in das Norder Krankenhaus zu verlagern. Das ist leider vom Landkreis Aurich bzw. der Geschäftsführung nie umgesetzt worden.

Im Krankenhaus Norden gibt es derzeit noch zwei Operateure (also Ärzte, die eigenverantwortlich operieren, in der Regel Chef- oder Oberärzte), die bis heute hervorragende Leistungen erbringen. Eine weitere Planstelle wird von der Verwaltung seit Jahren nicht besetzt. Der letzte Arzt auf dieser 3. Stelle hat übrigens ausschließlich Knochen- und Gelenkeingriffe gemacht!

Im Gegensatz dazu gibt es in der UEK Aurich 10 Operateure – siehe  Website der UEK!!

Seit Jahren werden drastische Kürzungen im Krankenhaus Norden durchgeführt, Strukturen im Krankenhaus Aurich werden deutlich weniger beschnitten und im Zweifelsfall aufgebaut.

Als Beispiele für die letzten Kürzungen in Norden sei angeführt:

In den letzten Wochen wurden in Norden trotz guter Belegung 2 Stationen geschlossen (die Aufnahmestation 9 und die Kinderstation). Dies heißt insbesondere, dass das Personal reduziert wird, der Platz ist natürlich noch vorhanden. Der Druck auf das Personal nimmt also weiter zu. Das Labor im Krankenhaus Norden ist seit kurzem nachts nicht mehr personell besetzt – ein eingeschränktes Labor kann dann an Automaten durchgeführt werden.

Die FDP übernimmt mit der unrichtigen Darstellung über Knieoperationen im Prinzip die Strategie der Geschäftsführung der Trägergesellschaft, also insbesondere von Herrn Claus Eppmann:

Zum einen wird das Krankenhaus Norden schlecht geredet, es werden ihm Kompetenzen abgesprochen, die tatsächlich vorhanden sind. Positive Informationen über das Krankenhaus Norden werden auch von der Geschäftsführung seit Jahren nicht veröffentlicht. Die Bevölkerung soll offensichtlich von dem eigenen Krankenhaus entfremdet werden.

Zum anderen wird versucht, die Akteure, die sich für den Erhalt des Norder Krankenhauses einsetzen, mundtot zu machen und ihnen die Qualifikation abzusprechen.

Aus Sicht des Fördervereins sollten die politischen Parteien im Altkreis Norden sich gemeinsam für das Norder Krankenhaus einsetzen – gerade in der jetzigen Situation, in der offensichtlich kein Krankenhaus nach Georgsheil kommt und die Geschäftsführung der Trägergesellschaft eine Schließung des Krankenhauses Norden in 2025 plant. Vom Zaun gebrochene Streitereien unter den politischen Parteien, die insbesondere der eigenen Profilierung dienen, hält der Förderverein für unangemessen.

Drohende UEK-Schließung in Norden : Bürger sehen Lokalpolitiker in der Pflicht

Pressemitteilung des Fördervereins der Ubbo-Emmius-Klinik am Standort Norden e.V.

7.3.2018: Förderverein erwartet, daß angesichts der absehbaren Folgen einer Schließung alle Parteien für das Norder Krankenhaus aktiv werden

Das gestrige Treffen des Fördervereins zum Erhalt der UEK am Standort Norden fand erneut unter reger öffentlicher Beteiligung  statt. Auf großes Unverständnis ist die Ablehnung des Antrags an den Norder Rat gestoßen, eine Abschätzung der sozialen und wirtschaftlichen  Folgen einer möglichen Schließung der UEK durchführen zu lassen. Zweifellos sei mit erheblichen Folgen für Norden und die Region zu rechnen, wenn bei etwas über 10.000 sozialversicherungspflichtigen  Beschäftigten in Norden bis zu  3.000 im Gesundheitssektor oder direkt damit verbundenen Bereichen tätig sind. Mit Seitenblick auf die in Emden drohenden Arbeitsplatzverluste im Schiffbau bei TKMS und die  vielen Aktivitäten der dortigen Politik zu diesem Thema wurde die Erwartung geäußert, daß auch in Norden die Politik ihre Zurückhaltung in einer so bedeutenden Frage wie dem drohenden Verlust des Krankenhauses aufgibt . Der Förderverein bat den Bürgermeister, hierzu einen Dialog mit allen Norder Parteien aufzunehmen mit der Zielsetzung, eine valide Folgeabschätzung auf den Weg zu bringen und Wege zu suchen, den Krankenhausstandort Norden zu erhalten.

Sehr kritisch bewertet wurde außerdem die Onlinebefragung der Trägergesellschaft zu Erwartungen der Bürger an die Gesundheitsversorgung. Weder sei sie repräsentativ noch gebe sie den Befragten tatsächlich ein ernsthaftes Forum,  ihren Bedarf und ihre Wünsche zu äußern. Stattdessen wurden die Fragen als suggestiv und – durch die dem Teilnehmer abverlangte Bildung einer Rangfolge – auch als irreführend bewertet. So müsse man sich beispielsweise zwischen „Qualität“ und „Wohnortnähe“ entscheiden – was zu sehr fraglichen Auswertungen führen kann-  und vermutlich auch soll. Anderseits seien etliche der abgefragten Kriterien extrem allgemein formuliert und für eigene inhaltliche Aussagen des Umfrageteilnehmers fehle weitestgehend die Möglichkeit.

Desweiteren wurde vom Förderverein dargestellt, daß die von der Klinikträgergesellschaft bisher vorgestellten Pläne für eine „Verbundlösung“ mit Schließen der stationären Versorgung in Norden mit Vorgaben der Bundesgesundheitspolitik unvereinbar wäre. Dies zeigte der Förderverein anhand der gültigen rechtlichen Kriterien für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung in Randregionen auf. Danach muß sichergestellt sein, daß eine 30-Minuten-Erreichbarkeit eines Krankenhauses per PKW für alle Bürger der Region gewährleistet ist. Ein sogenannter „Kliniksimulator“ der Krankenkassen („GKV-Kliniksimulator“) weist auftretende Versorgungslücken im Falle von möglichen Krankenhausschließungen anhand aktueller Bevölkerungsdaten aus. Für Norden ergibt diese  Simulation eine Summe von über 50.000 Menschen, die bei einer Schließung diese 30-Minuten-Vorgabe nicht erreichen würden.

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