Am 9.1.19 startete die Trägergesellschaft Kliniken AUR-EMD-NOR in der Emder A Lasco-Bibliothek mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion den „Gesundheitsdialog Nordwest“.
Damit erfüllt sie nach eigenen Angaben einen Auftrag der politischen Gremien, im Zuge des „Nicht aus dem Augen-Verlierens einer Zentralklinik“ Themenfelder wie Notfallversorgung, Erreichbarkeit und Nachnutzung öffentlich, unter Beteiligung der Bürger, in Form von Podiumsdiskussionen und workshops zu bearbeiten.
Allgemein
Leer investiert – Zentralkliniker träumen
Erfreuliche Nachrichten aus Leer : „Während andernorts die Verringerung eines Millionendefizits bejubelt wird, bauen wir neu mit Geld aus der eigenen Kasse“. Mit einem so selbstbewußten statement konnte der Leeraner Landrat Groote in seinem Jahresrückblick 2018 zurecht punkten. Seine Bemerkung macht aber auch deutlich, wie Politik und Klinikmanagement der Nachbarkreise das gesundheitspolitische Treiben im Landkreis Aurich und in Emden wahrnehmen : als hilfloses und planloses Stückwerk.
Am Klinikum Leer fand im Dezember die Grundsteinlegung für den Bau einer neuen Aufnahme- und Isolierstation statt. Im Jahr 2019 wird in Leer in Ergänzung zur bestehenden Intensivstation eine sog. Intermediate Care-Station (IMC) eingerichtet. Ergänzend zur bestehenden Intensivstation bietet sie Kapazitäten für die Überwachung und Versorgung von Intensivpatienten. Außerdem wird die Zentrale Notaufnahme um eine zusätzliche Aufnahmestation ergänzt. Die Erweiterung wird auch eine Differenzierung der Behandlung von Notfallpatienten nach Dringlichkeit (Triage) unterstützen. Das Klinikum finanziert den Ausbau aus Eigenmitteln (geplante Kosten : 5,7 Mio).
Kurz vor der Eröffnung (Ostern 2019) steht in Leer der Neubau der Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der im Mai 2017 begonnen wurde. Die Station bietet 40 Betten und 12 tagesklinische Behandlungsplätze. An dem mit 11,5 Mio veranschlagten Projekt hat sich das Land NDS mit Fördermitteln in Höhe von insgesamt 6,5 Mio beteiligt.
Zur Erinnerung : Förderanträge für investive Erweiterungen und Ausbau wurden für AUR/NOR und Emden bekanntlich seit mehreren Jahren nicht mehr gestellt. Der Traum, „dafür“ am Tag x für eine Zentralklinik aus den Vollen schöpfen zu können, zeigt nur die fehlendende Realitätstüchtigkeit unserer Kreistags-ZK-Groko auf. Auch im Sozialministerium in Hannover wird sehr genau registriert, welche Substanz „Zukunftskonzepte“ aus Aurich und Emden haben. Fördermittel gehen dort hin, wo sich die Politik vor Ort mit qualifizierten Konzepten, Managementkompetenz und Rückendeckung aus der Bevölkerung profilieren kann – in einem durchaus heftigen Wettbewerb der Regionen um die Zuschläge. All dies fehlt hierzulande. Die Hinhaltepolitik der hiesigen Politik nach den Bürgerentscheiden 2017, die Beschränkung auf einen schlichten Kurs des Einsparens an den drei Häusern, verbunden mit Eppmanns substanzlosen und rein politisch gefärbten Präsentationen spricht für sich. Oder kurz gesagt : Nie waren die Millionen weiter weg als heute.
Norder Parteien nehmen Stellung zur aktuellen Kliniksituation
In der vergangenen Woche haben drei Norder Parteien zur aktuellen Situation der UEK deutlich Stellung bezogen. Der Förderverein begrüßt es, daß der – speziell für das Norder Krankenhaus – ruinöse Kurs, den die Geschäftsleitung der UEK mit Billigung der Gremien des Landkreises Aurich unbeirrt weiter verfolgt , durch die Norder Parteien CDU, ZOB und Grüne im Hinblick auf Auswirkungen für Patienten und Personal hinterfragt wird. Anbei der Wortlaut der Erklärung :
Stellungnahme der Norder CDU, ZOB und Grünen zur aktuellen Kliniksituation
CDU, ZOB und Grüne begrüßen es, dass die Verantwortlichen die UEK besser aufstellen wollen.Sie sind dennoch besorgt über die Entwicklung der Klinik in Norden.
Entgegen ihrer Verlautbarungen in den letzten Wochen den Standort Norden stärken zu wollen, sind statt dessen in den letzten Jahren bis zum heutigen Tag eher Personalabbau vorgenommen und Stationen geschlossen worden.
Die Einrichtung einer sogenannten zentralen Notaufnahme klingt zwar zunächst gut, kann aber die Personalkürzungen nicht verbergen, die zu neuen Belastungen für das Personal und erhöhten Wartezeiten für die Patienten sorgen.
In der Summe haben wir den Eindruck, dass der verantwortliche Geschäftsführer Claus Eppmann Maßnahmen in einem Umfang durchführt, welche die Funktionsfähigkeit unseres Krankenhauses gefährden und das Personal in außergewöhnlichem Maß belasten. Genauso unverständlich ist, dass anscheinend keine Fördergelder für das Krankenhaus beantragt werden. Wenn nun Herr Eppmann dem Förderverein vorwirft, das Klinikum zu demontieren, so sprechen die von ihm seit seinem Antritt durchgeführten Maßnahmen eine andere Sprache und vermitteln den Eindruck,
dass Herr Eppmann die Demontage ganz allein gelingt.
Angesichts der laufenden Entwicklung appellieren CDU, ZOB und Grüne an die Verantwortlichen alle Maßnahmen zu ergreifen, die einen regulären Betrieb des Krankenhauses ermöglichen ohne dass überzogene Maßnahmen zu Lasten der Mitarbeiter und Patienten vorgenommen werden.
Hayo Wiebersiek, CDU Norden
Haidy Niehaus, ZOB Norden
Walter Zuber, Grüne Norden
Eppmann : „Mit funktionierenden Kliniken in die Zukunft“ – „haltlos“ oder einfach nur zynisch?
Seit Jahren werden Leistungen und Angebote der UEK , und dabei vorrangig des Norder Krankenhauses, immer weiter eingeschränkt. Für eine Modernisierung oder gar einen Ausbau der UEK werden schon ebenso lange keine Fördermittel des Landes mehr beantragt, weil Politik und Geschäftsleitung ihre Krankenhäuser als Abwicklungsfälle betrachten und behandeln, die sie schnellstens schließen wollen. Sie selbst schaffen auf diese Weise täglich mehr von den sogenannten „maroden“ Zuständen, die sie so gern als zwingenden Beleg dafür verstanden wissen wollen, daß die Häuser „ohne Zukunft“ sind.
Die von Eppmann letzte Woche als Beleg für die „Stärkung und Sicherung des Norder Standorts“ angeführten Maßnahmen , nämlich die Zentralisierung der Norder Notaufnahme, die zeitweise Schließung und Personalsuche für die vom Totalausfall bedrohten Anästhesie für Aurich/Norden sowie die Rationalisierungen beim Laborbetrieb mit Einschränkung der Laborzeiten (siehe dazu auch unsere Berichte hier) werfen ein Schlaglicht darauf, wie nah insbesondere das Norder Haus bereits an Grenzen gespart wurde und wird, von denen ab ein geordneter Betrieb nicht mehr möglich ist. Es gehört schon ein erhebliches Maß an Zynismus und Dreistigkeit dazu, gerade solche grundlegendsten Maßnahmen zur schieren Aufrechterhaltung eines Klinikbetriebes, den man als möglichst billige Übergangslösung bis zum Tag Z benutzen will, als „intensives Stärken des Standortes Norden“ auszugeben.
Eppmann und seine politischen Auftraggeber, die sich niemals, selbst nicht nach dem politischen Aus für ihre Zentralklinik durch einen Bürgerentscheid, mit alternativen Strategien zur Stärkung und Sicherung eines zeitgemäßen Angebots in der Region befassen wollten, sind wirklich die allerletzten, denen es ansteht, sich als Hüter und Bewahrer der Kliniken in Norden und Aurich zu beweihräuchern.
Wie sie sich eine „Zukunftslösung“ für die hiesige Gesundheitsversorgung vorstellen und was dabei in der Realität auf die Bürger zukäme, läßt auch an aktuellen Berichten aus der neuen Zentralklinik in Schaumburg studieren.
Pressemitteilung zum Parteitagsbeschluß der SPD Aurich und Emden
Der Förderverein begrüßt den Parteitagsbeschluss der SPD-Unterbezirke Aurich und Emden. Gravierende Probleme stellen Planungen für die Zentralklinik in Georgsheil in Frage.
Bundesweit anerkannter Medizinexperte warnt vor Wiederaufnahme der Zentralklinikpläne
Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir anbei einen Leserbrief, in dem der ursprünglich aus Emden stammende Gesundheitsökonom und Medizinethiker Professor Dr. Karl-Heinz Wehkamp, Bremen, deutlich vor einer Wiederaufnahme der Zentralklinikpläne warnt. Er nimmt Stellung gegen die überzogenen und völlig ungerechtfertigten Erwartungen und Vorstellungen, mit denen Politik und Trägergesellschaft die Bürger hierzulande seit Monaten davon zu überzeugen versuchen, daß das Schließen der drei Krankenhäuser für die Sicherstellung der stationären Gesundheitsversorgung „alternativlos“ sei. Professor Wehkamp ist bekannt als langjähriges Vorstandsmitglied der Akademie für Ethik in der Medizin, Göttingen und Professor am Studiengang Gesundheit / Public Health der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg. Er hat selbst lange Jahre als Mediziner praktiziert und ist Gründungsdirektor des Zentrums für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum, Hannover.
Ende 2017 war er Mitautor der Studie „Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung“. Zu dieser Studie haben wir weitere Informationen in unseren Leseempfehlungen hinterlegt.
Hier der aktuelle Leserbrief ungekürzt :
Anlässlich unseres 50-jährigen Abiturs in Emden las ich eher zufällig die Emder Zeitung zum Thema Großklinikum in Georgsheil . Da ich seit vierzig Jahren in Deutschland mit Kliniken zusammenarbeite, als Arzt, als Wissenschaftler und seit 1996 als Berater für Medizinethik und Ökonomie, war ich selbstverständlich an der Thematik interessiert. Ehrlich gesagt war ich erschrocken über das Projekt Georgsheil, weil ich davon überzeugt bin, daß die Standortwahl die von allen ja angestrebte bestmögliche medizinische Versorgung nicht fördern wird. Auf den ersten Blick mag es wirtschaftliche Vorteile bieten, weil Medizin immer anspruchsvoller und teurer wird, aber diese Vorteile können schnell wieder verloren gehen.
Zur guten medizinischen Versorgung brauchen Sie neben Pflege- und Therapiefachkräften ausreichend gut qualifizierte Ärztinnen und Ärzte. Dazu muß der Standort attraktiv sein. Schon seit Längerem finden Krankenhäuser in Randregionen so gut wie keine deutsch sprechenden Assistenzärzte mehr. Ohne medizinisches Fachpersonal, das in der Lage ist, die Sprache der Menschen zu verstehen und ihnen verständlich zu antworten, ist gute Medizin nicht möglich. Derzeit leiden viele Kliniken daran, daß Ärzte von „sehr weit her“ nicht nur die hiesige Sprache nicht beherrschen, sondern auch große Schwierigkeiten haben, die medizinischen, administrativen und organisatorischen Prozesse und die kulturellen Besonderheiten zu erlernen, auch weil der wirtschaftliche Druck auf die Kliniken dazu führt, daß die Aus- und Weiterbildung leidet. Folgen sind Risiken für die Patientensicherheit, starke Verzögerungen im Behandlungsablauf, Belastungen der Zusammenarbeit zwischen des Abteilungen und mit der Pflege.
Auf eine freie Assistenzarztstelle bewerben sich derzeit weit über einhundert Ärzte per Internet aus der weiten Welt, darunter oft kein einziger, der aus der Region stammt und – was ganz wichtig ist – nach Ende seiner Ausbildung zum Facharzt in der Region bleibt. Für die Pflege und auch für gut ausgebildetes Personal im Krankenhausmanagement ist es ebenfalls nicht mehr leicht, Stellen mit geeigneten Personen zu besetzen. Ein großer Teil dieser Personen wird pendeln, Führungskräfte werden „einfliegen“ und wieder „ausfliegen“. Kontinuität wird sich auf diese Weise nicht herstellen lassen.
Ich fürchte also, daß der jetzt schon gegebene Standortnachteil in den ostfriesischen Städten durch ein Krankenhaus auf dem flachen Land noch verstärkt wird. Unwahrscheinlich, daß sich in Georgsheil das Stammpersonal dauerhaft niederlassen wird. Für die Angehörigen der Patienten braucht es gute Verkehrsanbindungen und ausreichend Parkplätze. Zu Fuß wird man das Krankenhaus in der Regel nicht erreichen können.
In vielen Regionen Deutschlands haben sich Krankenhäuser in unterschiedlichen Standorten unter einer Unternehmensstruktur zusammengeschlossen. Entfernungen von bis zu 50 Kilometern zwischen den Standorten sind nicht unüblich. Für komplexe medizinische Prozeduren kommen die Behandlungsteams zu den Patienten, nicht umgekehrt. Warum nicht ein Zentralklinikum Ostfriesland gründen, von Kommunen und Landkreisen , mit einem Zentralstandort für Management und Verwaltung und verschiedenen medizinischen Schwerpunkten an den jeweiligen Standorten. Auch Praxen zur Versorgung der ländlichen Bevölkerung können einbezogen werden. Beispiele dazu finden sich u.a. in Bayern, wo Einrichtungen dieser Art sogar Jahr für Jahr „schwarze Zahlen“ schreiben.
Beschlüsse des Auricher Kreistags und des Emder Rats zur Zukunft der Kliniken: „Der schlimmste Betrug ist der Selbstbetrug“ (Marcel Reif)
Es sind ausgesprochen merkwürdige Beschlußvorlagen, die heute im Emder Rat und im Auricher Kreistag unter dem Namen „Entscheidung über die Zusammenarbeit mit der Stadt Emden im Klinikbereich“ (Aurich) verabschiedet werden sollen. Die vollmundig angekündigte klare Entscheidung über diese weitreichende Zukunftsfrage, die den Mitarbeitern und Patienten endlich Klarheit geben soll, ist es aber definitiv nicht ! Stattdessen steht ein billiger politischer Selbstbetrug auf der Tagesordnung. Mit den vorliegenden „Beschlüssen“ wird nämlich das Spiel auf Zeit, mit dem unsere gesamte Gesundheitsversorgung immer weiter heruntergewirtschaftet wird, noch ein weiteres Jahr fortgeschrieben . Währenddessen beschließt die Politik einmal mehr nichts als ihre eigenen besten Absichten. Ein Armutszeugnis, und wenig verwunderlich, daß solche Vorlagen in Hinterzimmern ausgetüftelt wurden.
Was steht zum Beschluß an ?
(1) wir wollen, aber wir können (noch) nicht !
Zunächst wird eine Bekenntnis beschlossen. Die Gremien bekennen sich zum Bau einer Zentralklinik in Georgsheil in kommunaler Trägerschaft als Ziellösung. Sie versichern, diese aus einer Auswahl möglicher Alternativszenarien als beste Lösung geprüft und ausgewählt zu haben. Was unwahr ist , da ihnen gar keine substanziellen Alternativlösungen mit Zahlen, Daten und Fakten zur Entscheidung vorgelegt wurden. Stattdessen wurden fiktive Alternativmodelle mit Pro und Contra dargestellt, die voraussehbar nicht zu der vorab gesetzten Ziellösung einer Zentralisierung paßten. Eine seriöse Darstellung von Alternativen war das nie – zurecht wurde ja der Vorwurf laut, daß solche Folien von jedem Werkstudenten in wenigen Stunden zusammenzuschustern gewesen wären.
Einschränkend stellen die Gremien dann fest, daß sie sich derzeit nicht in der Lage sehen, einen Beschluß zu fassen, diese Ziellösung auch umzusetzen. Sie begründen das damit, daß sie bisher keine Sicherheit über die „Zukunftsfähigkeit“ und die „Umsetzungsfähigkeit“ dieser Lösung haben. Nach über einem Jahr der „Konzepterstellung“ und über drei Jahren der Propaganda für eine Zentralklinik als „alternativloser“ Lösung fehlt im Juni 2018 zu einer Beschlußfassung plötzlich dermaßen Grundsätzliches? Geht es noch ?? Nach immer wieder quartalsweise eingeforderten Entscheidungsgrundlagen und Konzepten gibt es jetzt – keine Grundlage für Beschlüsse ?
Diese bodenlose Entscheidungslücke soll jetzt exakt im Juni 2019 geschlossen werden – zufällig der Termin, an dem die durch den Emder Bürgerentscheid erstrittene Vorgabe entfällt, daß am Emder Krankenhaus keinerlei Änderungen vorgenommen werden dürfen.
(2) wir entmündigen uns erneut und geben noch ein Jahr Blankovollmacht zur Vorbereitung der Zentralklinik
Unter (2) wird tatsächlich etwas BESCHLOSSEN : nämlich die Fortsetzung der Zusammenarbeit Aurich /Emden „im Sinne des Konsortialvertrages“. In einfachem Deutsch : Wir verlängern den Vertrag. Für die Vorbereitung einer Zentralklinik, die ohnehin im Konsortialvertrag auf jeder Seite als Ziel und Endzweck definiert ist, bekommt der Landrat dabei erneut eine Blankovollmacht ausgesprochen. Er kann und soll in aller Freiheit „notwendige Vertragsanpassungen im Konsortialvertrag“ (also – alles, was für die ZK als erforderlich angesehen wird) durchführen dürfen. Viel anzupassen gibt es da nicht – entscheidend ist hier die wiederum von jedem bestimmten Auftrag freie Blankovollmacht, die man dem Geschäftsführer der Trägergesellschaft weitergeben will.
(3) wir beschließen, daß erstmal geplant wird, damit wir in 2019 beschließen können..
Fazit bisher : der Kreistag steht nach Jahren des Missmanagements an der UEK und von den Bürgern bezahlter Zentralklinikindoktrination immer noch mit leeren Händen und immer weiter in die Krise gewirtschafteten Krankenhäusern da – genau so dürfte das auch im Sozialministerium in Hannover gesehen werden. Seit Juni 2017 wurde im Kreistag quartalsweise – mit populistischem Getöse – von der Geschäftsführung der Trägergesellschaft gefordert, daß „jetzt aber endlich“ belastbare Konzepte zur Beschlußvorlage her müßten, sonst ….? Nichts wurde geliefert. Trotzdem hatte man schon im Wahlkampf vor dem Bürgerentscheides die Stirn, öffentlich zu behaupten, Notfallkonzept, Verkehrskonzept, Nachnutzungskonzept, planerische Voraussetzungen im Suchraum Georgsheil und vor allen Dingen die Finanzierung durch das Land – all das sei „überhaupt kein Problem“.
Jetzt erklärt man, daß all diese Konzepte, von denen es vor einem Jahr seitens der Trägergesellschaft hieß, man habe sie alle in der Schublade, erst noch „zukunftsfähig und belastbar“ neu erarbeitet werden müssen. Und zwar – von der Trägergesellschaft ! Und weil all diese erneuten Prüf- und Konzepterstellungsbeschlüsse des Kreistags an die Trägergesellschaft für Bürger, Patienten und Mitarbeiter so glaubwürdig, so greifbar und so konkret sind, lautet der für heute letzte Beschluß: Der Kreistag beschließt „für den Fall, daß ein zentraler Klinikstandort nicht umsetzbar ist, daß über neue Modelle nachgedacht wird…“ (3f) Dann gute Nacht bis 2019.
Eines steht fest : Die Bürger werden sich nicht bis 2019 schlafen legen und der schleichenden Zerstörung ihres Gesundheitswesen zusehen!
Zukunft der Gesundheitsregion Norden bedroht – offener Brief an Abgeordnete aus der Region
Anläßlich der bevorstehenden Kreistagssitzung am 28.06.2018, auf der eine weitreichende Entscheidung über die weitere Zusammenarbeit im Klinikbereich getroffen werden soll, wendet sich der Förderverein nochmals mit einem offenen Brief an die Abgeordneten aus Norden und dem Umland :
Offener Brief an Kreistagsabgeordnete für die Region Norden
Julia Feldmann, Hans Forster, Barbara Kleen, Christel Lüppen, Sascha Pickel, Erwin Sell, Hermann Akkermann, Kuno Behrends, Ida Bienhoff-Topp (SPD), Rainer Feldmann, Hilko Trei (FDP), Sven Behrens, Erwin Erdmann, Roelf Odens, Hermann Reinders, Wolfgang Sikken (CDU)
Zukunft der Gesundheitsregion Norden bedroht
Sehr geehrte Kreistagsabgeordnete,
Sie wirken am 28.6. im Kreistag an der Entscheidung über die Zusammenarbeit mit der Stadt Emden im Klinikbereich mit. Diese kann weitreichende Folgen für Norden haben. Wir wenden uns an Sie, weil Sie beziehungsweise Ihre Fraktion sich bisher für die Errichtung einer Zentralklinik eingesetzt haben.
Ihnen wie uns geht es um die bestmögliche medizinische Versorgung in Norden und Umgebung. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es verschiedene Wege, wobei nach Meinung von Fachleuten die medizinischen Angebote einer optimierten Verbundklinik (Emden-Aurich-Norden) mit den Angeboten einer Zentralklinik qualitativ vergleichbar sind.
Gravierende Folgen für die Stadt Norden aus einer Schließung des Norder Krankenhauses, sind zum Beispiel:
- Die Notfallversorgung in Norden wird sich für den Fall der Schließung des Krankenhauses deutlich verschlechtern.
- Der Haus- und Facharztmangel in Norden wird sich ohne Krankenhaus vor Ort voraussichtlich verschlimmern, da viele der derzeit hier niedergelassenen Ärzte aus dem Krankenhaus Norden kommen oder die Krankenhaus-Infrastruktur für ihre Leistungen benötigen.
- Die Verkehrsanbindung der Region Norden an eine Zentralklinik ist insbesondere in der Feriensaison und der Erntezeit für Pkw, öffentliche Verkehrsmittel und Notfalltransporte unzureichend.
- Es fallen rund 300 Arbeitsplätze, die heute im Krankenhaus Norden vorhanden sind, weg.
- Indirekt sind weit über 2.000 Arbeitsplätze im Gesundheitswesen negativ betroffen.
- Der Abfluss von Kaufkraft wird die örtliche Wirtschaft schwächen und zu Steuerausfällen führen.
- Das Krankenhaus Norden ist ein Pfeiler der Gesundheitsregion Norden, auch für Reha- und Mutter-Kind-Kliniken
- Der erfreuliche Zuzug von Mitbürgern erfolgt häufig aus gesundheitlichen Gründen und aufgrund eineswohnortnahen Krankenhauses. Zudem hat Norden/Norddeich rund 1,7 Mio. Übernachtungen pro Jahr.
Es liegen zur Zeit mehrere Vorschläge für die Zukunft der Krankenhauslandschaft vor, die mehr Verwirrung als Klarheit stiften. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Krankenhaus-Trägergesellschaft weiter daran, das Krankenhaus Norden schleichend zu schließen (z.B. Schließung von 2 Stationen in weniger als 1 Jahr; Reduzierung von OP-Bereitschaft und Labor; Behinderung notwendiger Abläufe der Belegärzte; ein ähnlicher Kahlschlag wird in den Krankenhäusern in Aurich und Emden nicht durchgeführt). Damit bricht der Landkreis Aurich den Gebietsreformvertrag, Wir befürchten, dass das Krankenhaus Norden liquidiert wird, bevor die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf andere Art und Weise sichergestellt ist.
Wir fordern Sie auf
- die Interessen der Norder Region zu vertreten
- eine umfassende Folgenabschätzung der Zentralklinik für die Städte Norden/Emden/Aurich in die Beschlussvorlage aufzunehmen
- die Verkehrsanbindung und die Notfallversorgung vor Schaffung von Tatsachen zu klären
- statt des Konsortialvertrages einen Vertrag mit der Stadt Emden zu beschließen, der eine Verbundlösung der Kliniken Aurich/Emden/Norden als dauerhaftes Ziel hat
- den (bereits stattfindenden) Leistungsabbau im Norder Krankenhaus umgehend zu stoppen
Bürgerinnen und Bürger, die sich angesprochen fühlen, sind gern aufgerufen, unserem offenen Brief mit eigenen Initiativen Nachruck zu verleihen
Einschränkungen bei OP-Bereitschaft und Laborzeiten an der Norder UEK – Resolution an den Norder Bürgermeister
An der UEK in Norden, so kündigt die Geschäftsführung an, wird es ab 1.7. (zunächst „vorübergehend“, wie es heißt), zwischen Fr 15.30 und Mo 7.00 keine Notfalloperationen mehr geben. Begründung für die Einschränkungen in Norden: aufgrund einer (Eigen-)kündigung und eines Krankheitsfalls in Norden in der Anästhesiepflege reiche die Personaldecke nicht mehr, eine 7 * 24 -OP-Bereitschaft in Norden sicherzustellen.
Wie ist es möglich, daß zwei alles andere als außergewöhnliche Personalien die Leistungsfähigkeit vor Ort dermaßen stark beeinflussen können, daß es zu so einer gravierenden Einschränkung kommt? In der Erklärung weist Frau Dr. Gesang darauf hin, daß die Norder OP-Bereitschaft (eine Rufbereitschaft) bereits jetzt teilweise von Auricher Mitarbeitern abgedeckt wird. Dort besteht eine Vor-Ort-Bereitschaft. Für den Engpass in Norden seien auch personelle Einschränkungen in Aurich verantwortlich. Laut Darstellung von Frau Dr. Gesang sind nämlich mehrere Mitarbeiter der Auricher OP-Bereitschaft ebenfalls aufgrund Eigenkündigung weggebrochen.
Was ist die Ursache für diese Häufung von Eigenkündigungen in einem – von der Größe her – doch überschaubaren Bereich ? Und: weshalb wird ein für die Notfallversorgung so wichtiger Bereich personell so eng geführt, daß Kündigungen in Aurich in Norden zu einem so gravierenden Dominoeffekt führen können? Daß jetzt mit der allgemein bekannten Problematik fehlender Pflegekräfte argumentiert wird, lenkt von der mittlerweile zur Regel gewordenen Unterbesetzung ab, die die Geschäftsführung offensichtlich einplant. Dies gilt leider auch für den Auricher Standort, der de facto durch laufende Unterstützung aus Norden einsatzfähig gehalten werden muß! Anders ist auch der kürzlich erfolgte Abbau von 22 befristeten Verträgen für Mitarbeiter in der Pflege nicht erklärbar, mit deren Unterstützung man absehbaren Engpässen hätte gegensteuern können.
Die zweite angekündigte Einschränkung betrifft Labordienstzeiten an Wochenenden, die von bisher 12 auf 8,5 Stunden vermindert werden sollen. Mit der Erläuterung, daß dies „zunächst“ für drei Monate gelten soll, bleibt eine Befristung unverbindlich. Auch für diese Einschränkung werden als Ursache ganz normale Personalien – nämlich Krankheitsfälle – angegeben. Daß es hier nochmal ein Zurück zu den jetzigen Zeiten geben soll, und wird, ist allerdings mehr als zweifelhaft. An der UEK versucht man seit Oktober 2017 durch vermehrten Einsatz eines sog. POCT-Geräts die Laborkosten zu senken, das von der Bedienung her deutlich weniger Spezialkenntnisse voraussetzt und somit durch Mitarbeiter anderer Abteilungen zusätzlich mit abgedeckt werden soll. Der Einsatz solcher Schnelltestmethoden speziell für die Ermittlung von Notfallparametern kann jedoch die Laborleistungen nur begrenzt ersetzen.
Die Geschäftsführung gibt mit ihren Erläuterungen selbst zu Protokoll, daß es sich hier um Schritte eines bereits laufenden Kurses handelt, bei dem die Leistungsfähigkeit des Norder UEK als eigenständige Säule der Grund- und Regelversorgung schleichend ausgehöhlt wird. Und zwar ganz unabhängig von der Frage „Zentral- oder Regionalklinik“, deren finanzielle Basis ja bislang noch nicht einmal geplant ist. Die von Frau Dr. Gesang beschworene „hohe Leistungsfähigkeit unserer Krankenhäuser“ wird mit solchen Maßnahmen nicht abgesichert, sondern bereits heute schrittweise abgeschafft.
Auf der öffentlichen Sitzung am 12.06.18 wurde dazu die folgende Resolution beschlossen, die heute dem Bürgermeister der Stadt Norden zuging :

** POCT : (nach Wikipedia) „Point-of-Care-Testing“ ,“ patientennahe Labordiagnostik“, bei der diagnostische Untersuchungen nicht per Zentrallabor, sondern (in einem Krankenhaus) auf der Station erfolgen (bei Notfällen aber auch beim Patienten oder im Rettungswagen). „In Kliniken wird POCT vor allem auf Intensivstationen und in der Anästhesie, aber auch in Ambulanzen oder in der Dialyse eingesetzt. In der Regel handelt es sich um so genannte Notfallparameter, wie Elektrolyte, Blutgas- und Blutgerinnungswerte, Nierenfunktionswerte, Herzenzyme und andere Messwerte. Aber auch Urinuntersuchungen, die Erstellung eines Blutbildes oder der schnelle Nachweis von Krankheitserregern oder Autoimmunerkrankungen (..)sind mit Hilfe von Point-of-Care-Methoden möglich.
Förderverein erinnert an ausstehende Antworten des Landrats
Im Zuge der Norder Ratssitzung am 25.04. haben Landrat Weber, Klinikgeschäftsführer Eppmann und der ärztliche Direktor der UEK , Dr. Held , für die Fortsetzung der Zentralisierungspläne für die stationäre Versorgung in der Region geworben und dazu die Idee einer “Regionalklinik” vorgestellt, die anstelle der geschlossenen UEK-Häuser in Norden und Aurich treten würde. Für die anwesenden Bürger, darunter auch etliche Mitglieder und Freunde des Fördervereins, war es leider nicht möglich, dem Landrat als dem politisch Verantwortlichem für die Gesundheitspolitik im Landkreis Aurich ihre Fragen im Rahmen der Einwohnerfragestunde direkt zu stellen. Um sie dennoch beantwortet zu bekommen, hatte der Förderverein sie anschließend in Form eines offenen Briefes gesammelt und an den Landrat gerichtet. Dieser Brief mit neun brisanten Fragen zur Zukunft der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in der Stadt Norden und des Norder Umlands wurde am 14.5. direkt beim Kreis Aurich eingereicht.
Bis heute fehlt jede Stellungnahme des Landrats zu den gestellten Fragen, nicht einmal der Eingang wurde bestätigt. Bürger und Förderverein erwarten nunmehr dringend eine Rückäußerung und fragen sich angesichts des Schweigens zunehmend besorgt : Hat der Landrat womöglich keine klaren Antworten auf diese für die Zukunft der stationäre Versorgung der Norder bedeutenden Fragen ?Die Sprachlosigkeit der politischen Entscheider bei gleichzeitig erklärter Absicht, noch im Juni 2018 den Konsortialvertrag (Kooperation mit Emden zwecks Vorbereitung einer Zentralklinik) fortzuschreiben, sieht der Förderverein mit Besorgnis.
Wie lange soll der Kurs in Richtung auf die von den Bürgern bereits einmal abgelehnte Zentrallösung mit Preisgabe der wohnortnahen Klinikstandorte noch weitergehen? Wie lange will Weber sich noch dem Dialog mit den Bürgern verweigern, den er letzten Sommer mit viel Getöse angekündigt hatte? Hier ist erheblicher Druck auf dem Kessel, die Bürger erwarten angesichts der immer schwierigeren Lage in den Kliniken endlich Antworten auf die Frage nach einer Zukunftsstrategie für ihre drei Krankenhäuser!