Wiederholte mehrwöchentliche Schließung der OP-Bereitschaft an Wochenenden , Einschränkungen der Laborbereitschaft, Stationsschließungen, temporäre Umwandung einer psychiatrischen Station in eine Tagesklinik im April – die Meldungen über gravierende Engpässe an der Norder UEK reißen nicht ab. Mittlerweile ist eine existenziell kritische Personalsituation – sowohl im ärztlichen als auch pflegerischen Bereich – für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Krankenhauses eingetreten. Unabhängig von der grundsätzlichen Entscheidung über die Zukunft der Krankenhäuser in Emden, Aurich und Norden, von politischen Weichenstellungen nach dem Emder Bürgerentscheid und den Landratswahlen im Landkreis Aurich stellt sich deshalb für Mitglieder und Freunde des Fördervereins die Frage : Wie soll und wie kann es in den nächsten Jahren weitergehen mit der stationären Gesundheitsversorgung in Norden ?
Allgemein
Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung
Steht der Patient tatsächlich mit seinen gesundheitlichen Interessen im Mittelpunkt, wenn er ins Krankenhaus aufgenommen, dort behandelt und wieder entlassen wird? Ist der zu beobachtende fortwährende Anstieg der Fallzahlen und der Komplexitätsgrade der Erkrankungen ausschließlich auf medizinischen Bedarf zurückzuführen? Entspricht die Ausrichtung der Kliniken den gesundheitlichen Bedürfnissen der Bevölkerung? Oder sind diese Entwicklungen Ausdruck eines „Ökonomisierungsprozesses“, der medizinische Indikationen zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen vermengt? Verändern die Finanzierungs- und Steuerungskonzepte des Gesundheitssystems auch die Inhalte und den Charakter der Medizin und der Krankenhäuser?
„Klinikkonzept“ (2) : Was ist bei dieser Finanzierung „gesichert“?
Am 24.04. stellte die Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden in Emden den Mitgliedern des Emder Rats und des Auricher Kreistags einen neuen Stand eines Klinikkonzepts vor. Nach einer Bewertung des „Konzepts zur Notfallversorgung“ nimmt der Förderverein hier Stellung zu den Aussagen zur Finanzierung.
Ein ruinöse Finanzierung – auf geradem Weg in die Privatisierung?
In den letzten Wochen wurde öffentlich über das seit Jahren unterlassene Einwerben von Landesmitteln für Investitionsförderung für die Krankenhäuser in Aurich, Norden und Emden diskutiert. Alle Aufforderungen aus dem Sozialministerium, nach dem Bürgerentscheid 2017 ein neues Konzept vorzulegen und dabei eine Verbundlösung zwischen dem LK Aurich und der Stadt Emden umzusetzen (so forderte es die damalige Ministerin, Frau Rundt, und so schrieb es Staatssekretär Scholz an den Emder OB Bornemann) wurden seit 2017 ignoriert. Landesmittel für Investitionen sind deshalb bis heute nicht geflossen, verbindliche finanzielle Zusagen für Investitionen in die Kliniken fehlen, und aus der Pauschalförderung des Landes wurden lediglich Mittel in die Erhaltung abgängiger Bausubstanz gesteckt.
Aktuelle Vorstellung des „Klinikkonzepts“ : „Vorhang zu und alle Fragen offen“
Am 24.04. stellte die Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden in Emden den Mitgliedern des Emder Rats und des Auricher Kreistags einen neuen Stand eines Klinikkonzepts vor. Der Förderverein nimmt Stellung.
„Vorhang zu und alle Fragen offen“
Wie befürchtet: Die Zentralklinik-Werbeveranstaltung am 24.04.2019 in der Emder A-Lasco-Bibliothek hat keine neuen Konzepte für die Zukunft der stationären Gesundheitsversorgung in der Region gebracht. Die von C.Eppmann reklamierten „hochbelastbaren Konzepte“ waren Nullnummern. Sie haben ebensowenig Antworten auf die offenen Fragen gegeben wie zuvor bereits die „Klinikkonzepte“, die in den beiden Jahren nach dem Bürgerentscheid vorgestellt wurden. Mit den jetzt präsentierten unausgereiften und unverbindliche Absichtserklärungen endet ein Spiel auf Zeit : Seit zwei Jahren wurde das für „alternativlos“ erklärte Zentralklinikvorhaben stillschweigend fortgesetzt. Dafür benötigte niemand neue Konzepte.
Eine Zentralklinik schreibt massive Verluste
Über das AGAPLESION Ev.Klinikum Schaumburg haben wir auch auf dieser Seite schon mehrfach berichtet:
Denn in den Diskussionen um die Zukunft der Krankenhäuser in unserer Region wird diese Zentralklinik immer wieder als Vorbild und Vorzeigeobjekt herangezogen. Aktuell werden aus dem Schaumburger Land hohe Verluste im ersten Betriebsjahr gemeldet : das Defizit in 2018, dem ersten Betriebsjahr nach der Eröffnung, beträgt 12 Mio €. Die Klinikgeschäftsführung hatte einen Verlust in einer solchen Höhe bei weitem nicht erwartet: In den Planungen war ein Anlaufverlust von ca 1 Mio für 2018 kalkuliert worden.
Die Schaumburger Nachrichten berichten am 5.4.2019 ausführlich über das unerwartet hohen Minus und die Erklärungen zu dieser Entwicklung seitens der Geschäftsführung: „Katastrophales Ergebnis“: Klinikum schreibt 12 Millionen Euro Minus . Wir werfen einen Blick auf die Entwicklung bei der „Vorzeigeklinik“ und erlauben uns auf dieser Basis eine Bewertung der Erwartungen und der versprochenen Verbesserungen im Falle der Errichtung einer Zentralklinik hierzulande.
Zukunftsperspektiven für die Norder UEK?
Ein erfreuliches Bekenntnis zur Zukunft der multimodalen Schmerzstation an der UEK in Norden gab Geschäftsführerin Astrid Gesang in der letzten Woche ab. Der Förderverein nimmt dazu Stellung.
Der Förderverein der UEK am Standort Norden begrüßt das Bekenntnis der Geschäftsführung der Trägergesellschaft zur multimodalen Schmerzstation am Standort Norden. Es ist wichtig, dass die Trägergesellschaft nicht immer nur von einer Zentralklinik in Georgsheil rede, sondern die für die Patienten wichtigen medizinischen Angebote und die guten Leistungen der Klinikmitarbeiter an den bestehenden Standorten in Aurich, Emden und Norden angemessen fördert und sichert. Entgegen den – vorwiegend mit den wirtschaftlichen Ergebnissen begründeten – Negativaussagen zur Lage der Häuser sollten die Leistungen der gut funktionierenden Kliniken in der Öffentlichkeit auch angemessen dargestellt werden. Andernfalls droht ein weiterer Imageverlust der Häuser und eine Spirale der Demotivation bei den Mitarbeitern. Frau Dr. Gesang selbst weist angesichts der Schmerzstation darauf hin, daß es für die Sicherstellung von Medizinleistungen abträglich ist, wenn ihre Existenzberechtigung allein an der Ökonomie festgemacht wir, also den Erlösen und der „Marktfähigkeit“ einer Abteilung.
Warum werden klare Zahlen aus Hannover von Geschäftsführung und Politik verdreht?
Stellungnahme des Fördervereins für die UEK am Standort Norden zu den Erklärungen von Wiard Siebels und Claus Eppmann
Claus Eppmann und Wiard Siebels bringen in den Pressemitteilungen nur Halbwahrheiten, um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen. Der Förderverein für die UEK am Standort Norden fordert deshalb die Presse auf, die Original-Zahlen der Landesregierung zu veröffentlichen, die diese als Antwort auf die kleine Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag herausgegeben hat.
Nachlese zur Filmvorführung „Der marktgerechte Patient“ in Norden
„Seit der Umstellung der Krankenhausfinanzierung auf sogenannte Fallpauschalen steht für deutsche Klinken nicht mehr der kranke Mensch, sondern der Erlös aus seiner Behandlung im Vordergrund. Der Film deckt die gefährlichen Auswirkungen dieser Ökonomisierung auf Patienten und Klinikbeschäftigte auf“
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Rund 30 Gäste und Mitglieder des Fördervereins trafen sich am 19.02. im Mittelhaus in Norden , um sich gemeinsam den Film „Der marktgerechte Patient“ anzusehen und im Anschluss darüber zu diskutieren. Sie sahen ein ungeschminktes Bild der Realitäten in deutschen Kliniken heute:
- Kinder, für deren Behandlung aus wirtschaftlichen Gründen keine Kapazitäten verfügbar sind – Betten gesperrt.
- Logbücher voll mit Einträgen über abgewiesene Notfallpatienten mit ernsten Erkrankungen.
- Pflegekräfte, deren Traumberuf sich angesichts von hoffnungsloser Überlastung zum Albtraum gewandelt hat.
- Ärzte und Pflegende, die angesichts gesundheitsgefährdender Zustände auf ihren Stationen ihre Stellen kündigen
- Patienten, die während ihres Klinikaufenthalts allein liegen gelassen werden – mit lebensbedrohlichen Folgen
- Modern ausgestattete Privatkliniken , die ausschließlich Leistungen und Abteilungen anbieten, in denen sie Überschüsse erwirtschaften, indem sie Patienten fabrikmäßig, im Schnellverfahren durch die stationäre Behandlung pushen.
- Kommunale Klinikbetreiber, die für viel Geld immer neue Beraterfirmen anheuern, um ihre Krankenhäuser betriebswirtschaftlich zu „optimieren“ .
- Klinikmanager, die sich auf Abteilungen und Angebote konzentrieren, mit denen sie die höchsten Erlöse von den Kassen bekommen , selbst dann, wenn diese Angebote für die Patienten gar nicht notwendig sind
- Kommunalpolitiker, die sich zunehmend schwer tun, grundlegende Leistungsangebote wie Notfallversorgung oder Geburtenstationen aufrechtzuerhalten
Der Film läßt die verschiedenen Beteiligten aus ihrem Alltag berichten. Dieser Alltag ist von einer Unterordnung unter wirtschaftliche Maximen gezeichnet – sowohl bei Privatkliniken als auch bei Kommunalen. Beide wollen sich schließlich in einem zunehmend schärferen Wettbewerb bewähren, in dem sie mit Patienten Geld bzw. Gewinne machen – statt ihr Handeln an dem auszurichten, was hilfebedürftige Menschen benötigen. Patienten sind Kunden, und ihre Behandlung hat ihr Maß daran, was sie dem Betreiber einbringen. Viele Dinge, die vor einigen Jahren noch als Skandal oder als Ausnahmefall betrachtet worden wären, sind nach rund 15 Jahren Fallpauschalenregelung zum traurigen „Normalfall“ geworden – das sei alles andere als normal, wie es in der Diskussion hieß. Auch wenn die grundlegenden Beschlüsse, die zu dieser dramatischen Situation führen, in der Gesundheitspolitik im Bund getroffen werden: sie kommen „in der Fläche“ an und sie sollen hier von Klinikpersonal und Patienten „erduldet“ werden. Hier sollte man sich daher zur Abwendung und Schadensbegrenzung auf die Hinterbeine stellen – Bürger, Parteien, Kommunalpolitiker.
Wer sich nicht wehrt und stattdessen an Luftschlösser von einem „marktbeherrschenden Klinikum“ glaubt, das „modernste Medizin“ , gute Arbeitsbedingungen und mehr Pflegepersonal schaffen wird, der will nicht verstehen, was auf Bürger und Klinikmitarbeiter zukommt, wenn es so wie bisher weitergeht. Die „Zukunftssicherung“ bei diesem Rationalisierungsprojekt sieht eine Einschränkung der vorhandenen Grund- und Regelversorgung und einen Rückzug der Kliniken aus der Notfallversorgung vor. Sie ebnet unseren kommunalen Trägern den Weg, aus der Daseinsvorsorge herauszukommen und ihre Gesundheitspolitik einer privaten Krankenhausfabrik zu überantworten.
Zur Website des Filmprojekts „Der marktgerechte Patient“
Landratskandidat Olaf Meinen beim Förderverein
Nach einer Gesprächsrunde mit Bernd Iken im Januar hatten wir am 6.2.2019 mit Olaf Meinen einen weiteren Landratskandidaten zu einem öffentlichen Treffen eingeladen. Im Verlauf der über zweistündigen, engagierten Diskussion ließ Olaf Meinen zwar in etlichen Punkten eine gemeinsame Sicht auf die Problemfelder der stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung in unserer Region erkennen. Bei der Bewertung und der Frage – was folgt daraus? gab es jedoch deutliche Unterschiede.
Landratskandidat Bernd Iken zu Gast beim Förderverein

Der Bewerber um das Amt des Landrates, Bernd Iken (re, im Bild) war der Einladung des Fördervereins der UEK am Standort Norden e.V. gefolgt und stellte sich in Norden Bürgern und Vereinsmitgliedern vor.
Bernd Iken spricht sich für den Fortbestand der zwei Kliniken in Aurich und Norden aus und kommt damit den Wünschen und Vorstellungen der Vereinsmitglieder entgegen. Bei fast 2 Millionen jährlichen Urlauberübernachtungen und der Altersstruktur in der Küstenregion, so Iken, sei eine Verlegung der Klinik von der Küste bzw. von den Mittelzentren ins Hinterland auf die grüne Wiese äußerst kontraproduktiv, sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter sozialen Gesichtspunkten. Bedenke man noch den angestrebten Wegfall der Klinik in Emden, komme es gleich an drei Standorten zu wirtschaftlichen Verlusten, die ein einziger Standort im Nirgendwo nicht auffangen könne.